Ausstellung
Leica Oskar Barnack Award 2026
09.10.2026 – 18.02.2027
Auch in diesem Jahr wird der weltweit hochgeachtete Fotografiepreis mit der Präsentation aktueller Bildserien ein spannendes und wichtiges Statement zur Rolle und Bedeutung der Fotografie der Gegenwart abgeben und ausgewählte Fotoserien internationaler Fotografinnen und Fotografen prämieren. In diesem Jahr geht der LOBA in seine 46. Runde.
Wie in den letzten Jahren haben auch 2026 wieder mehr als 130 Fotografieexpertinnen und -experten aus 48 Ländern ihre Vorschläge eingereicht. Die Nominatorinnen und Nominatoren haben auf der Grundlage persönlicher Expertise und Erfahrung bis zu drei Fotoserien ausgewählt, jeweils mit einem Umfang von 15 bis 20 Aufnahmen. Die Voraussetzung für eine Nominierung beim Leica Oskar Barnack Award besteht darin, dass es sich bei den Fotografien um dokumentarische oder konzeptionell-künstlerische Arbeiten handelt, die sich mit der Beziehung des Menschen zu seiner Umwelt auseinandersetzen. Diese humanistische Konstante begleitet den LOBA seit der ersten Ausschreibung im Jahr 1979. In jenem Jahr wäre Oskar Barnack, der Namensgeber des Wettbewerbs und Entwickler der Ur-Leica, 100 Jahre alt geworden.

Seit Beginn des Krieges in Gaza hat Israel internationalen Journalisten den freien Zugang zum Gebiet verwehrt. Wichtiger denn je ist die Zeugenschaft palästinensischer Fotojournalisten. Alghorra (*1997) hat in seiner Serie das Jahr 2025 in seiner gesamten komplexen Breite dokumentiert: von Mangel und Hungersnot bis hin zu Gewalt und Verlust – Szenen, die internationale Schlagzeilen produzierten, ebenso wie die zwischenmenschlichen Momente, die bei den Nachrichtenagenturen keinen Platz fanden.

Der neuseeländische Fotograf (*1975) dokumentiert in seiner Schwarzweißserie mit dramatischen Bildern die archaische Tradition des titelgebenden Sports, der bis heute in Tadschikistan ausgetragen wird. Wörtlich übersetzt bedeutet Buzkashi auf Persisch „Ziegenziehen“, denn gekämpft wird um den kopflosen Kadaver einer Ziege. Das Spiel entstand unter den nomadischen Reiterkulturen Zentralasiens, und noch heute sind Kraft und Reitkunst identitätsstiftende Maßstäbe für die beteiligten Spieler.

Einst war der Aralsee das viertgrößte Binnengewässer der Welt, bis heute ist er aufgrund sowjetischer Bewässerungsprojekte um mehr als 90 Prozent geschrumpft. In ihrer Serie dokumentiert die armenische Fotografin (*1983) nicht nur die Umweltkrise, sondern zeigt auch, wie sich in Usbekistan und Kasachstan Gemeinden angepasst haben, um zu überleben: Sie betreiben Kamelzucht, ernten Salzkrebse, betreiben Imkerei und fischen im wiederbelebten nördlichen Aralsee nach dem Bau des Kokaral-Staudamms.

Der russische Fotograf (*1986) lenkt den Blick auf die Natur und die Lebensbedingungen in den Bergen Dagestans, gelegen im Nordkaukasus im Süden Russlands. Wie bedroht das fragile Gleichgewicht zwischen den dort lebenden Menschen und der Natur ist, verdeutlicht Faizulin in seinen Bildern, die gegenwärtige Veränderungen und den Einzug von Tourismus, moderner Architektur, Vernachlässigung gewachsener Strukturen und Kultur dokumentieren, die zugleich aber auch die Schönheit der Gegend feiern.

Ein Blick auf das aktuelle Frankreich: Im Mittelpunkt der Serie des französischen Fotografen (*1996) stehen Jugendliche der Banlieues. Die Vorstädte sind von sozialer Gewalt, den Spuren der Wirtschaftskrise und der Wohnungspolitik der 1960er- und 1970er-Jahre geprägt. Doch sie sind auch Zentren der Kreativität und politischen Innovation. Keo zeigt ein Porträt des sich wandelnden postkolonialen Frankreichs, in dem die soziale, kulturelle und politische Zukunft des Landes auf dem Spiel steht.

Der Bezirk Nischnekolymsk in der arktischen Region Jakutiens ist von Distanz geprägt – geografisch, zeitlich und infrastrukturell. Die Gemeinden im äußersten Nordosten Russlands „sind Teil eines fragilen Systems, das durch Menschen, Erinnerung und die Notwendigkeit des Überlebens verbunden ist“, erklärt der russische Fotograf (*1989). Lyu-fa zeigt in seiner Serie unterschiedlichste Orte, in denen die Menschen, ob Fischer oder Forscher, von den klimatischen und wirtschaftlichen Veränderungen betroffen sind.

In seiner Serie präsentiert der tschechische Fotograf (*1982) seinen persönlichen Blick auf die ägyptische Hauptstadt und die sich radikal vollziehenden Veränderungen. Sein Ziel: das unverfälschte Alltagsleben einzufangen. „Ich wollte die letzte Generation dokumentieren, die noch in dieser rohen, ungeschliffenen Realität lebt“, so Renč. „Heute, inmitten von Staub und Stein, wollte ich eine Atmosphäre bewahren, die bald verschwinden wird, wenn sich Kairo bis zur Unkenntlichkeit verändert.“

Wasser ist in der Navajo Nation – dem größten Indianerreservat der USA – keine Selbstverständlichkeit. Während der amerikanische Südwesten die schlimmste Dürre durchlebt, beleuchtet der taiwanesisch-amerikanische Fotograf (*1990) die Geschichte einer entlang ethnischer Grenzen geteilten Wasserversorgung. Pro Person verbrauchen auf der einen Seite, im Washington County in Utah, wohlhabende Gemeinden übermäßig viel Wasser, das auf der anderen Seite den Navajo-Gemeinden im Alltag fehlt.

In Jordanien ist Wasser nicht nur eine physische Ressource, es ist auch Erinnerung – verkörpert in Stein, Erde und Gesang. „Was als Neugier auf eine Ressource begann, wurde zu einer tieferen Erforschung meiner eigenen Geschichte und meines Erbes, zu einer Suche nach Wurzeln in einem Land, das von Jahrhunderten des Wandels und der Entbehrung geprägt ist“, sagt die palästinensisch-jordanische Fotografin Sakkab (*1969). „Dies ist nicht nur eine Studie über Wasser; es ist auch eine Geschichte über Menschen.“

Sein zweites Zuhause hat der in der ehemaligen Tschechoslowakei geborene und in Großbritannien und Irland lebende Fotograf (*1976) vor fast zwei Jahrzehnten in dem kleinen slowakischen Bergdorf Šumiac gefunden. Seither dokumentiert Sládek das Leben, den Alltag und die Traditionen der Menschen des Dorfes. Seine Schwarzweißserie versteht der Fotograf dabei auch als eine Art Brücke zwischen zwei Gruppen, die nicht nur ein Bach trennt: die der Einheimischen und die der ebenfalls dort lebenden, stark ausgegrenzten Roma.

Inspiriert von der Sehnsucht nach Erinnerung an die Vorfahren, untersucht die amerikanische Fotografin (*2001) in ihrer Serie zeitgenössische queere Verwandtschaftsbeziehungen und das fortdauernde Vermächtnis starker, selbstbewusster schwarzer Frauenpersönlichkeiten. Im Mittelpunkt steht das eigene geschaffene Lebensmodell der beiden Schwestern und vier Nichten der Fotografin, die von Queens, New York, in ein gemeinsames Haus auf einem Grundstück in Clayton, North Carolina, gezogen sind.
Ernst Leitz Museum
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Montag – Sonntag von 10:00 bis 18:00 Uhr
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